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Die Relevanz des Internets

By Andreas Hecht
  –   03. März 2010  in    

Wie wichtig ist das Internet in der heutigen Gesellschaft zur Kundenfindung und muss ein Unternehmen eine Webseite haben? Wenn ja, wie sollte diese beschaffen sein, um wirklich Kundschaft für das betreffende Unternehmen generieren zu können? Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieser Artikel eingehend und versucht einmal eine Betrachtung aus wissenschaftlicher Sicht. Anhand konkreter Beispiele wird erläutert, wie eine Webseite heutzutage beschaffen sein muss, um wirklich die Chance auf Erfolg zu haben.

Einführung und Ausgangslage

Das Internet ist ohne Zweifel das sich am schnellsten entwickelnde Medium unserer Zeit. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Hosts stieg seit 1980 in signifikantem Maße an, wie die folgende Grafik veranschaulicht:

Die Entwicklung des Internets von 1980 an

Die Entwicklung des Internets

Urheber der Grafik: Markus Schweiss | Quelle: Wikipedia

Die Folgen dieser Entwicklung

Eine solche dermaßen schnelle Entwicklung bleibt natürlich nicht folgenlos. Während es vor ca. 15 Jahren noch reichte einfach nur eine Webseite im Netz zu haben um gefunden zu werden und seine Botschaft unter die Leute zu bringen, so reicht es heutzutage lange nicht mehr aus. Heute herrscht auch im Internet ein knallharter Verdrängungsmarkt und das Gefundenwerden der eigenen Webseite kann schon allein aus der Anzahl der Suchergebnisse eines relevanten Keywords, sprich aus der Anzahl der im Index befindlichen Webseiten, nicht mehr ohne Weiteres sichergestellt werden.

Veranschaulichung anhand eines Beispiels

Veranschaulichen wir diese Problematik doch einmal mit einem Beispiel. Da ich auch der Webmaster des Campingführers Camping-Angeln.de bin, nehmen wir also im Folgenden Campingplatzseiten zur Veranschaulichung her.

Stellen wir uns vor, wir wären ein Camper und auf der Suche nach einem Campingplatz für den nächsten Familienurlaub in Deutschland. Wie würde ein solcher Mensch auf die Suche nach seinem Campingplatz gehen? Nun, in so ziemlich jedem Haushalt in Deutschland steht mittlerweile ein Computer und die Suchmaschine Google ist jederman ein Begriff. Der Camper würde also höchstwahrscheinlich erstmal nach in Frage kommenden Campingplätzen googlen. Bei Eingabe des Suchwords Camping erhält der User knapp 97 Millionen Suchergebnisse von Google präsentiert. Bei Eingabe von Campingplatz sind es immer noch 2.3 Millionen.

Will der betreffende User einen Campingplatz z.B. in Mecklenburg-Vorpommern finden, bietet sich also an, die Suche noch weiter zu verfeinern und campingplatz mecklenburg vorpommern einzugeben, was nur noch 348.000 Suchergebnisse bringt. Das Problem wird hiermit klar: Nur ein Campingplatz, der auch gefunden wird, kann Gäste bekommen.

Wir brauchen da mal (irgend)eine Webseite

Der Titel der obigen Überschrift impliziert bereits das Problem: Eine wirklich gute Webseite, die auch Gäste bringt (also Geld generiert), steht in der Prioritätenliste eines Campingunternehmers nicht nur an unterster Stelle – sondern gar nicht da. Überwiegend herrscht immer noch die Meinung vor, dass man zwar eine Webseite benötige, aber diese gern entweder umsonst oder spottbillig haben möchte. Frei nach dem Motto: Der Freund meiner Frau dessen Schäferhund seine Nichte macht uns die Seite aber für 300 Euro…

Nun, für eine kleine Anzeige in einem Printmagazin wird ohne mit der Wimper zu zucken eine Summe ausgegeben, mit der man eine Familie ohne Weiteres über einen Monat ernähren könnte – und dieses mit sehr zweifelhaftem Return of Investment. Einfach weil es üblich ist, diese Summen zu bezahlen. Für eine wirklich professionelle Webseite, die nachweislich Geld einbringen wird (!), ist man nicht bereit, die nötige Summe zu investieren. Gutes Webdesign kann einfach nicht nur 700€ kosten, wie mein österreichischer Kollege Jürgen Liechtenecker einmal festgestellt hat. Eine Homepage, die wirklich erfolgreich ist und gefunden wird, ist einfach zu viel Arbeit und erfordert enormes Hintergrundwissen in den Bereichen CSS, HTML und vor allem im Bereich Suchmaschinenoptimierung.

Die einzig wirklich relevante Suchmaschine ist heutzutage zweifellos Google; alle anderen sind entweder völlig irrelevant oder beziehen ihre Suchergebnisse sowieso von Google. Also muss eine Webseite heute hochgradig für Google optimiert sein, um gefunden zu werden und damit auch Geld generieren zu können.

Suchmaschinenoptimierung

Der genaue Algorithmus, den Google zur Indexierung der Webseiten verwendet, ist leider eines der am besten gehüteten Geheimnisse unserer Zeit. Findige, absolute Profis in der Suchmaschinenoptimierung haben jedoch einmal die 200 Parameter des Google Algorithmus in einer Liste versucht aufzuschlüsseln; diese Liste kann als eine der wichtigsten Publikationen zu diesem Thema angesehen werden.

Welche dieser Parameter können als wichtig angesehen werden?

Wohlgeformter und semantischer Quellcode

Webseiten mit sogenanntem wohlgeformtem und sematischen Quellcode, der zudem gern fehlerfrei sein darf, haben bei einer solchen Anzahl von Suchergebnissen überhaupt nur die Chance auf eine Platzierung auf der gewünschten Seite eins. Insbesondere die Semantik ist sehr wichtig, da sie ein definitiver Rankingfaktor ist. Semantik bedeutet nichts anderes, als Dinge mit den für sie vorgesehenen HTML-Elementen auszuzeichnen. Zum Beispiel die wichtige Seitenüberschrift mit der <h1>, die folgenden mit <h2> bis <h6>, Absätze verpackt man in einen Paragraphen <p> usw..

Semantik anhand einer Überschrift H1 verdeutlicht

Der Suchmaschinengigant Google zieht bereits aus dieser obersten und wichtigsten Überschrift Rückschlüsse auf den folgenden Inhalt. Wenn diese Überschrift nur optisch, jedoch nicht im Quellcode der Webseite als Überschrift kenntlich gemacht ist, entfällt bereits ein extrem wichtiger Rankingfaktor, indem sich übrigens auch das wichtigste Keyword, also der wichtigste Suchbegriff unter dem dieser Artikel gefunden werden soll, verbirgt. Weitere wichtige Suchbegriffe finden sich geschickterweise im oberen Drittel des Artikels/der Webseite wieder. Ein fehlerfrei programmierter und semantisch korrekter Quellcode macht es für den Suchrobot von Google bedeutend einfacher, den Inhalt der Seite zu erfassen und zu indexieren.

Der Domain Name

Auch in unserer Internet Adresse, also unserer Domain, sollten sich bereits wichtige Suchbegriffe wiederfinden. Ein Campingplatz namens Katharinenhof sollte sich denmach die Domain www.campingplatz-katharinenhof.de sichern.

Weitere Rankingfaktoren

Als wirklich wichtig kann natürlich noch das Verhältnis von Quellcode zu wirklichem Inhalt angesehen werden. Je mehr die Waage in Richtung Inhalt ausschlägt, umso besser. Das ist relativ leicht durch eine Auslagerung des Layouts in eine externe CSS Datei zu erreichen, was uns den weiteren Vorteil einer schnelleren Ladezeit verschafft. Etwaige Änderungen am Design der Webseite werden zudem bedeutend günstiger, da nur noch eine Datei angefasst werden muss.

Auch eine Verwendung von sogenannten kanonischer URLs ist extrem wichtig, denn gerade bei Verwendung eines Redaktionssystems und schönen URLs (pretty urls) ist jede Unterseite einer Webseite meist über zwei URLs erreichbar. Einmal über die messy URL und dann über die wohlgeformte. Beispiel:

http://www.example.com/product.php?item=swedish-fish
http://www.example.com/products/swedish-fish/

Dieses wäre ein sogenannter Duplicate Content; also doppelter Inhalt. Durch den kanonischen Link wird Google aufgezeigt, welche dieser beiden URLs Google in den Index nehmen soll.

<link rel="canonical" href="http://www.example.com/products/swedish-fish/" />

Das soll an dieser Stelle vorerst alles zum Thema SEO sein; dieses Thema ist schließlich bücherfüllend.

Die ideale Webseite und die tägliche Praxis

Nehmen wir wieder ein Beispiel aus dem Bereich Camping heran. Eine nicht unerhebliche Summe wurde investiert, um einen neuen und wunderschönen Campingplatz zu schaffen. Da der Campingplatz leider nicht die eine, ausgewählt und absolut tolle Lage hat, muss nun dringend sinnvolle und gute Werbung gemacht werden. In der heutigen Wirtschaftslage kämpfen viele Campingplätze ums nackte Überleben. Man trägt sich also in (etliche) Campingführer ein, schaltet Werbung und gibt eine Webseite in Auftrag. Heraus kommt dabei das:

Eine schlecht gemachte Webseite eines Campingplatzes

Diese Webseite ist von einer nicht kleinen Agentur erstellt worden und das für diese Webseite ausgegebene Geld ist sozusagen aus dem Fenster geschmissen worden. Die Webseite ist mit einen grausamen Tabellenlayout versehen; das Design befindet sich also im Quellcode; der Browser rendert die Seite im Kompatibilitätsmodus, weil nicht einmal ein Doctype verwendet wurde. Von Semantik ist im Quellcode leider nichts zu sehen, denn Überschriften sind z.B. nur optisch erkennbar – für Maschinen wie den Suchrobot von Google nicht zu erkennen. Fotos werden nur in absolut minimaler Größe verwendet und die Benutzerfreundlichkeit lässt extrem zu wünschen übrig. Ich habe glatte zwei Minuten gebraucht, um das Impressum zu finden. Mal abgesehen davon, dass die Chancen einer Auffindung im Google Index so minimal sind wie Eis in der Wüste zu finden – was genau soll mich als Camper dazu verleiten, diesen Campingplatz zu besuchen? Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an:

Eine schlecht gemachte Webseite eines Campingplatzes

Hier wurden die Überschriften sogar als Grafik ausgelegt (ohne Image Replacement) und ohne den vorgeschrieben ALT Tag. Des Weiteren weist diese Seite alle bereits bei obiger Webseite festgestellten Fehler auf und ist zudem in Frames ausgeführt, was Google die Indexierung fast unmöglich macht. Auch sollte jede einzelne Unterseite einer Webseite einen unterschiedlichen Seitentitel tragen – hier jedoch haben alle Seiten den selben Titel. Übrigens ist der Screenshot oben in einer Auflösung von 1024 × 768 Pixel aufgenommen worden und man sieht deutlich den bereits in dieser extrem kleinen Auflösung viel zu großen Weißraum. Böse Zungen könnten hier behaupten, die Seite wäre für das iPhone optimiert…

Die wirklich ideale Webseite

Grundsätzlich wird eine Webseite niemals für den Auftraggeber entworfen, sondern in erster Linie für den Besucher der Homepage (!). Ich sollte als Campingplatzbetreiber (bleiben wir bei diesem Beispiel) also darauf achten, dass die zukünftige Homepage nicht nur gut aussieht, sondern wirklich gut ist! Die Schönheit einer Webseite ist letztendlich nichts Weiteres als ein Abfallprodukt; das Tüpfelchen auf dem i. Eine gute Webseite muss korrekten, semantischen Quellcode haben, für Suchmaschinen optimiert sein, sehr benutzerfreundlich gestaltet sein und stets aktuellen und nutzbringenden Inhalt vorweisen können. In unserem speziellen Fall muss sie auch noch Emotionen wecken können; sie muss mir sofort sagen: Diesen Campingplatz muss ich unbedingt besuchen!

Das erreiche ich nicht nur mit den oben aufgeführten Dingen, sondern vor allem durch wirklich gute Fotos. Denn sie als Betreiber ihres Campingplatzes wissen, wie wunderschön es dort ist, wie ruhig, wie angenehm und wie freundlich das Personal ist. Der Besucher ihrer Webseite jedoch nicht. Wie sollen also Träume verkauft werden, wenn die Besucher der Homepage des Campingplatzes nicht ins Träumen geraten? Mein Rat an sie: Lassen sie sich wirklich gute, erstklassige Fotos von einem Profi anfertigen und binden sie eine professionelle Bildergalerie mittels einer Slideshow oder besser aber einer Lightbox in die Webseite ein.

Zehn erstklassige Fotos in hoher Auflösung präsentiert sind hundertmal mehr wert als 50 kleine und schlechte Minibildchen.

Ein gutes Beispiel

Kanucenter Preetz

Eine gut gemachte Webseite eines Campingplatzes

An dieser Webseite des Kanucenter Preetz bei Plön gibt es relativ wenig auszusetzen. Über das Design lässt sich freilich streiten, qualitativ ist die Seite wirklich gut. Fehlerfreier und semantischer Quellcode sind vorhanden, die Grundbegriffe der Suchmaschinenoptimierung wurden eingehalten und anzumerken wären lediglich fehlende kanonische Links und die nicht optimalen messy URLs aus denen man bei dem verwendeten Content Management System CMS made simple mit nur einer kleinen Änderung in der config.php schöne und für Mensch und Maschine sprechende URLs hätte machen können. Ansonsten gibt es nichts zu bemängeln, selbst eine tolle Fotogalerie ist vorhanden und somit können Träume geweckt werden. Das ist eine Webseite, die das investierte Geld zigfach wieder einbringen wird.

Ein Fazit

Gutes Webdesign ist nicht billig, in der heutigen Zeit und in Zukunft jedoch unabdingbar. Eine Investition in eine wirklich gute Webseite bedeutet eine Investition in die Zukunft mit einem deutlichen, messbaren Return of Investment. Dieses investierte Geld wird dem Investor vielleicht nicht heute und sofort, spätestens jedoch in einem Jahr einen nicht unerheblichen, zusätzlichen Kundenfluss bescheren und damit das dringend benötigte Geld. Denken sie darüber nach…


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Andreas Hecht

Andreas Hecht ist freiberuflicher Webdesigner/Webentwickler und Systemadministrator mit den folgenden Microsoft Zertifizierungen: MCP, MCSA, MCSA Messaging, MCSE, MCTS und dem Cisco CCNA Zertifikat.

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